Kindergeschichten

Als das helle Licht am Firmament aufleuchtete, die Engelwesen erschienen und auf den Stall im nahen Betlehem verwiesen, entschlossen sich die Hirten zu losen. Sie waren zu fünft und wollten sehen, was denn passiert sei. Einer von ihnen musste bei den Tieren bleiben. Allein konnten sie in der Nacht nicht auf dem Feld bleiben. Der, den das Los traf, war ein einfacher Kamerad. Er war nicht der älteste und nicht der jüngste, war weder stark noch besonders schwächlich. Er war ein ganz normaler Hirte.

Also zogen Vier los und ließen ihren Kollegen zurück. Der war ein wenig enttäuscht über das Los. Aber was sollte er tun? Die Schafen konnten nicht ohne Aufsicht bleiben.

Er setzte sich ins Gras, lehnte sich auf einen Stock und sah das Licht in der Ferne. Er dachte  über die Engel nach und ihn fröstelte. Die Erscheinung vermochte er nicht zu deuten. Er war ein wenig ängstlich, aber hingehen und nachschauen, das konnte er nicht. Es bleib ihm nur zu warten, bis die anderen zurück kehrten.

Er saß wohl einige Zeit,  als jemand einen Arm um ihn legte.

Der Hirte hob den Kopf und blickte in das Gesicht eines fremden Mannes. Der war ungefähr im gleichen Alter wie er selber. Die Schwielen an den Händen verrieten den Handwerker.

„Möchtest du auch gehen, um nachzuschauen?“, fragte der Fremde.

„Nein, nein“, wehrte der Hirte ab. „Ich muss auf die Tiere aufpassen.“

„Geh nur“, sagte der Fremde. „Ich passe solange auf.“

„Wer bist du?“ Der Hirte schaute den nächtlichen Besucher fragend an.

„Ich heiße Josef“, sagte dieser. „Meine Verlobte Maria hat dort in einem Stall einen kleinen Jungen geboren.“

Der Hirte runzelte mit der Stirn. „Ähem, warum bis du dann nicht dabei?“

Josef seufzte. „Ach. Ich werde da gerade nicht gebraucht. Engel sind genug da, außerdem deine Kollegen. Ich habe schon die Fenster repariert, Löcher im Dach abgedichtet und einige Palmblätter auf dem Dach erneuert. Aber jetzt stehe ich da nur so herum und habe nichts zu tun. Das ist nicht mein Ding.“

„Aber es ist doch dein Kind, oder?“

„Ja, nein, irgendwie doch, aber nicht richtig…“ Josef druckste herum. Er war kein Mann großer Wort. Er war ein Mann der Tat. Am schlimmsten war es für ihn, gar nichts zu tun zu haben, und was war gerade an der Krippe der Fall. Deswegen hatte er sich ein wenig auf die Felder zurück gezogen.

„Geh“, sagte er jetzt wieder zu dem Hirten. „Ich werde mit dem Kind später noch genug zu tun haben.“

Er lachte. Der Hirte sprang auf, sprach einen Dank und lief dem Licht nach.

Josef blieb bei den Schafen, bis die Hirten, fröhlich singen, aus Betlehem zurück kamen.